14.05.2018 – Art heals - Kunst heilt – Ausrufezeichen!...so nennt Michaela Biet ihr Kunstprojekt, das mehr ist als nur eine neue Werkgruppe aus Wachsobjekten, Körper- und Organabformungen, Fotografien und Installationen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 1. Juli 2018.

 

Michaela Biet: Kardia, Gips/Eisenoxyd/Wachs, 2018, 180 x 60 x 45 cm, Detail © Museum Schloss Ratibor

 

Das Ausrufezeichen beschwört die Funktion der Kunst als Heilkunst, als Faktor der Auseinandersetzung mit den Aspekten Krankheit, Heilung und Gesundheit als Grunderfahrungen menschlicher Existenz. In ihrer Arbeit als Epithetikerin erlebt Michaela Biet die Heilwirkung künstlerischer Arbeit direkt, indem sie zerstörte Körperteile ersetzt und den Betroffenen zu einer äußeren Unversehrtheit verhilft. Dieses Erleben spiegelt sich auch in ihrer künstlerischen Tätigkeit wider, die ein ständiges Reflektieren der Körperlichkeit, des Lebens als Zusammenspiel von Organen darstellt.

 

Michaela Biet: Fragment (Epithesenmodell), Silikon/Glas/Haar/Gips, 2018, Durchmesser 10 cm © Museum Schloss Ratibor

 

Die Sicht auf die Fragilität der menschlichen Existenz, dem Hängen an den seidenen Fäden des Nervensystems, gestattet es dem Betrachter tief zu blicken – je nach persönlicher Disposition vielleicht sogar bis zum Urgrund der Schöpfung auf jeden Fall aber bis unter die Haut.

 

Michaela Biet: Kardia, Gips/Eisenoxyd/Wachs, 2018, 180 x 60 x 45 cm © Museum Schloss Ratibor

 

Die lebensgroße Figur der Kardia, die die Abformung eines menschlichen Herzens in den Händen hält, kann hierfür exemplarisch stehen. Sie ist aus Körperabformungen von unterschiedlichen Menschen zusammengefügt und auf ihrem Sockel stehend hält sie schützend das zentrale Organ des Menschen dem Betrachter entgegen. Mit konzentrierter Innerlichkeit scheint sie dem Gefühl des Herzens in der Hand nachzuspüren, einem Gefühl, das bisher nur Chirurgen hatten, die beeindruckt von der Kraft eines schlagenden Herzens berichten. Das in den Händen halten von Körperteilen und Wachsobjekte ist ein zentrales Thema in den Arbeiten der Künstlerin im Rahmen von art heals!... Hier wird das Menschenbild, welches sich im Zuge der Möglichkeiten moderner Medizin gerade dramatisch ändert, kritisch hinterfragt.

 

Michaela Biet: Transfusion, Fotodruck, 2017, 90 x 120 cm © Museum Schloss Ratibor

 

Nicht ohne Grund integriert Michaela Biet Beispiele ihrer medizinischen Tätigkeit als Epithetikerin in ihr Kunstprojekt, dies macht deutlich, dass die Auseinandersetzung mit der Fragilität menschlicher Existenz sich in beiden Aspekten ihrer Arbeit, der medizinisch-gestalterischen und der schöpferisch-künstlerischen gegenseitig bedingen.

 

Text: Auszüge aus dem Vorwort von Guido Schmid, Museum Schloss Ratibor, für den Katalog 'Michaela Biet: art heals'.